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Corona-Krise: Soforthilfen für Unternehmen und Selbstständige im Überblick

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Die Welt im Ausnahmezustand

Das Corona-Virus hat einen Ausnahmezustand verursacht, den Unternehmer nicht vorausahnen konnten. Stillstand, Existenzängste und ein verändertes Konsumverhalten sind nur einige der Folgen. Je nach Branche müssen Unternehmer und Selbstständige umdenken und versuchen, das beste aus der Situation zu machen bis der Normalzustand zurückkehrt.

Lichtblick in dieser Zeit ist die Solidarität. Sei es zum Beispiel durch Unterstützung vor Ort, in der Nachbarschaft oder weitgreifender in Netzwerken oder Verbänden – das gemeinsame auf Probleme aufmerksam machen und nach Lösungen suchen. Auch die Bundesregierung ist alles andere als tatenlos geblieben. Bund und Länder haben in Höchstgeschwindigkeit verschiedene Programme in die Wege geleitet, um Unternehmen und Selbstständigen schnell und unbürokratisch zu helfen und Arbeitsplätze zu sichern. Die Rede ist von einem Maßnahmenpaket in historischem Ausmaß.

Der HDE (Handelsverband Deutschland) hat am 26. März 2020 eine Studie zu diesem Thema veröffentlicht. Demnach gaben über 90 Prozent der 600 befragten Unternehmen an, zur Bewältigung der Corona-Krise Staatshilfen beantragen zu wollen – wenn sie dies nicht ohnehin schon getan haben. Da die Nachfrage groß ist, wollen wir Dir Klarheit darüber verschaffen, welche Maßnahmen es gibt und wie Du an weitere Infos kommst.

Soforthilfen im Überblick

Der Bund hat ein Milliarden-Schutzschild für Deutschland auf die Beine gestellt. Welche der darin enthaltenen Maßnahmen richten sich an Unternehmen und Selbstständige? Wie helfen diese und wie kann man sie in Anspruch nehmen?

Steuerliche Hilfsmaßnahmen

Der Bund will Unternehmen, Selbstständigen und Freiberuflern, die unmittelbar vom Corona-Virus betroffen sind, mit steuerlichen Hilfsmaßnahmen entgegenkommen.

Darum geht es:

Später zahlen: Stundung von Steuerzahlungen
Voraussetzung: Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler können aufgrund der wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus Steuerzahlungen nicht leisten, die in diesem Jahr fällig sind. Die Lösung: Die Steuerzahlungen können zinsfrei gestundet werden. Somit erhalten die Unternehmen einen Zahlungsaufschub. Den Antrag können Betroffene bis Ende 2020 beim Finanzamt stellen. Relevant ist dies für die Einkommen- und Körperschaftsteuer sowie die Umsatzsteuer.

Weniger zahlen: Anpassung von Vorauszahlungen
Bei vielen Unternehmen, Selbstständigen und Freiberuflern werden die Einkünfte aufgrund der Corona-Pandemie geringer ausfallen als zuvor erwartet. Deshalb können die Steuerpflichtigen die Steuervorauszahlungen unkompliziert und schnell herabsetzen lassen. Das gilt für die Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer und auch für den Messbetrag für Zwecke der Gewerbesteuer-Vorauszahlungen.

Später zahlen: Vollstreckungsmaßnahmen werden ausgesetzt
Bei überfälligen Steuerschulden soll auf die Vollstreckung bis Ende des Jahres verzichtet werden. Säumniszuschläge, die in dieser Zeit anfallen, werden erlassen. Auch diese Maßnahmen betreffen die Einkommen- und Körperschaftsteuer sowie die Umsatzsteuer.

KfW-Kredite für Unternehmen

Die Kredite unterscheiden sich danach, wie lange die Unternehmen bereits am Markt (aktiv) sind. Die Details variieren zudem nach Größe des Unternehmens. Der Antrag wird bei der Bank gestellt und mit Hochdruck bearbeitet. Grundvoraussetzung: Die antragstellende Firma darf sich nicht bereits am 31.12.2019 in finanziellen Schwierigkeiten befunden haben.

Flexibles Kurzarbeitergeld

Kein neues Prinzip
Arbeitgeber können über die Kurzarbeit die regelmäßige Arbeitszeit verringern. Dadurch erhalten die Beschäftigten weniger Lohn – der Arbeitgeber spart dadurch und kann ggf. so das Fortbestehen der Unternehmung sichern.

Verbesserte Bedingungen
Das Kurzarbeitergeld kann nun einfacher und zu verbesserten Bedingungen in Anspruch genommen werden. Ein Betrieb kann Kurzarbeit anmelden, wenn mindestens 10 % der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sind. Zuvor handelte es sich um 30 % der Belegschaft. Was außerdem angepasst wurde: Die Agentur für Arbeit erstattet die Sozialversicherungsbeiträge vollständig. Sie stellt außerdem weitere Informationen bereit.

Änderungen rechtlicher Regelungen

Sowohl im Insolvenzrecht als auch im Gesellschafts- und Genossenschaftsrecht wurden Änderungen vorgenommen. So wird die Insolvenzantragspflicht für betroffene Unternehmen bis zum 30. September 2020 ausgesetzt. Außerdem geht es um zusätzliche Anreize, die betroffenen Unternehmen neue Liquidität zuzuführen und die Geschäftsbeziehungen zu diesen aufrecht zu erhalten. Mehr dazu hat das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hier zusammengefasst.

Zum Gesellschafts- und Genossenschaftsrecht: Damit die Handlungs- und Beschlussfähigkeit von Aktiengesellschaften und ähnlichen Rechtsformen auch unter den aktuellen Umständen gewährleistet bleibt, wurden verschiedene Erleichterungen durchgesetzt. So sind virtuelle Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften beispielsweise nun möglich. Die Details findest Du hier.

Zuschüsse für kleine Unternehmen, Selbständige und Freiberufler

Am 23. März hat das Bundeskabinett die Soforthilfen für kleine Unternehmen, Soloselbständige, Freiberufler und Landwirte verabschiedet. Nun hat der Bundesrat diese gebilligt. Es handelt sich dabei um einen Umfang von 50 Milliarden Euro. Die Bundesgelder stehen den Ländern seit Montag (30. März 2020) zur Verfügung.

Was kann beantragt werden?

  • Unternehmen mit bis zu 5 Beschäftigten: einmaliger Zuschuss von bis zu 9.000 Euro für drei Monate
  • Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten: einmaliger Zuschuss von bis zu 15.000 Euro für 3 Monate 

Die Zuschüsse müssen nicht zurückgezahlt werden und richten sich an Kleinstunternehmer und Solo-Selbständige, die von der Corona-Pandemie wirtschaftlich betroffen sind.

Für Selbstständige: Vereinfachter Zugang zur Grundsicherung

Selbstständige, die von der aktuellen Krise wirtschaftlich betroffen sind, können nun leichter einen Zugang zu den SGB-II-Leistungen erhalten. Der Antrag muss bis zum 30. Juni 2020 gestellt werden. Antragsteller müssen dabei erklären, dass sie über kein erhebliches Vermögen verfügen. Mehr erfährst Du bei der Agentur für Arbeit.

Soforthilfen der Bundesländer

Neben den vorgestellten Maßnahmen haben die einzelnen Bundesländer Programme und Soforthilfen, die jeweils unterschiedlich gestaltet sind. Voraussetzung für die Inanspruchnahme: Die Unternehmen müssen ihren Hauptsitz in dem jeweiligen Bundesland haben.

Die Soforthilfe der Länder ergänzt die des Bundes. Teilweise können die Hilfen kombiniert werden. Die niedersächsische Investitions- und Förderbank empfiehlt, zuerst die Ländermittel zu beantragen und diese dann durch die Bundesmittel zu ergänzen. 

Finde die wichtigsten Infos für Dein Bundesland

Auf unserer COVID-19-Aktionsseite kannst Du Dir Info-Portale und staatliche Anlaufstellen anzeigen lassen, die über Wirtschaftshilfen und wichtige Neuigkeiten für Dein ausgewähltes Bundesland informieren.

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