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Brexit: Das hat sich für Onlinehändler geändert

Brexit: Das hat sich für Onlinehändler geändert

Seit dem Referendum über den Ausstieg Großbritanniens aus der EU, der am 1. Januar 2021 vollzogen wurde, gab es viele Unklarheiten – unser Technologie-Partner der Händlerbund erklärt, welche Änderungen sich für Onlinehändler daraus ergeben.

Kurz vor Weihnachten 2020 hatten sich die Europäische Union und das Vereinigte Königreich auf ein Freihandelsabkommen geeinigt und damit einen harten Brexit verhindert – und auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Wirtschaft abgewendet. Trotzdem ging der Brexit nicht spurlos an Händlern und Kunden vorbei. Der Handel zwischen dem UK und der EU hat sich auch für Händler in Deutschland verkompliziert.

Keine Zölle, wohl aber Zollkontrollen

Eine gute Nachricht vorab: Durch das Brexit-Abkommen wurden Zölle und Importquoten weitestgehend verhindert. Lieferungen in das Vereinigte Königreich werden also nicht mit Zusatzkosten versehen, sofern die Produkte in der EU hergestellt wurden. Trotzdem ist Großbritannien nun ein EU-Drittstaat und damit nicht weiter Teil des Binnenmarktes und der Zollunion. Damit existiert auch eine Zollgrenze, an der in jedem Fall Zollkontrollen fällig werden. Damit hat sich der bürokratische Aufwand für Händler, die ihre Ware über die Grenze verschicken, erhöht. Marktplätze wie Amazon und Ebay haben auf diese Entwicklung schnell reagiert und entsprechende Änderungen für ihre Händler durchgeführt.

Händler, die eine Niederlassung im Vereinigten Königreich haben, können die Zollanmeldung selbst vornehmen, benötigen dafür aber eine neue EORI-Nummer. Wer keine Niederlassung im UK hat, muss die Zollanmeldung dagegen von einem offiziellen Zollvertreter durchführen lassen.

Es kommt auf das Produktionsland an

Mit dem Handelsabkommen wurden zwar Zölle für Waren, die in der EU hergestellt wurden, vermieden, doch bei Produkten, die gänzlich oder zu einem gewissen Teil in Drittstaaten gefertigt wurden, sieht es anders aus. Sofern das Vereinigte Königreich kein eigenes Handelsabkommen mit dem betreffenden Drittstaat hat, fallen Zölle nach WTO-Niveau an. Die britische Regierung stellt Händlern ein eigenes Tool zur Verfügung, mit dem die Zollsätze auf einzelne Warengruppen nachgesehen werden können.

Wareneinfuhrverfahren verschärft sich schrittweise

Die Einfuhr von Waren und Produkten wird in drei Stufen aufwendiger. Allerdings wurden die entsprechenden Fristen für die Einführung der Stufen nach hinten verschoben. Für die Einfuhr von tierischen und pflanzlichen Produkten etwa hätte die Pflicht zur Vorabanmeldung von Waren ursprünglich zum 1. April 2021 kommen sollen. Dies wird nun erst zum 1. Oktober verpflichtend.

Für alle anderen Produkte und Waren werden Vorabanmeldungen dann zum 1. Januar 2022 zur Pflicht. Bis zu diesem Datum besteht auch noch die Möglichkeit, Zollanmeldungen für Standardwaren aufzuschieben. Nur bei verbrauchsteuerpflichtigen Produkten gibt es keine Übergangsphasen. Für diese ist die vollständige Zollanmeldung zum Zeitpunkt der Einfuhr bereits seit 1. Januar 2021 verpflichtend.

Änderungen bei Produktvorschriften und Kennzeichnungen

Spannend wird auch das Thema Produktvorschriften und Kennzeichnungen. Zwar hat Großbritannien zunächst die EU-Regelungen weitestgehend übernommen, womit sich erst einmal keine Änderungen in diesem Bereich ergeben haben, doch die britische Regierung kann perspektivisch auch eigene Vorschriften erlassen. Mittel- und langfristig dürften sich die Vorgaben und Produktregulierungsvorschriften ändern, schreibt auch das Bundesunternehmen GTAI. Eine erste Änderung gibt es bereits bei der europäischen CE-Kennzeichnung: Diese musste bereits durch das neue UKCA-Label ersetzt werden, wenn das Produkt im UK verkauft werden sollte. Die britische Regierung hat auf einer umfassenden Info-Seite die Anforderungen für den Warenhandel aufgearbeitet.

Vorsicht bei der Umsatzsteuer

Auch beim Thema Umsatzsteuer müssen Händler einige Dinge beachten. So fällt bei Lieferungen nach Großbritannien grundsätzlich Einfuhrumsatzsteuer an, sobald der Warenwert über 135 Pfund liegt. Eine umsatzsteuerliche Registrierung im UK wäre nicht notwendig, sofern der Logistiker die Einfuhrumsatzsteuer und den Zoll deklariert und abführt.

Eine Besonderheit ergibt sich bei Warenlieferungen unter 135 Pfund: Hier steht die Frage im Raum, ob der Verkauf über einen Marktplatz oder den eigenen Web-Shop erfolgt. Beim Verkauf über einen Marktplatz zahlt der Händler weder Einfuhrumsatzsteuer noch die britische Umsatzsteuer, denn hier ist der Marktplatz in der Pflicht, die britische Umsatzsteuer direkt abzuführen. Wird die Ware über den eigenen Online-Shop verkauft, muss sich allerdings der Händler selbst darum kümmern, die Umsatzsteuer abzuführen.

Händler müssen sich auf höheren Aufwand einstellen

Der Brexit hat gerade für Händler, die bereits nach Großbritannien verkauft haben, einige Unsicherheiten mit sich gebracht. Auch in Zukunft werden Händler aufmerksam bleiben müssen, wie sich die Anforderungen und Vorschriften für den Verkauf in das Vereinigte Königreich gestalten werden – denn die britische Regierung hat nun mehr Handhabe und kann von den in der EU geltenden Regelungen abweichen. Damit könnte der Aufwand beim Export ins UK auch in Zukunft weiter hoch sein.

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Über den Autor

Michael Pohlgeers ist stellvertretender Chefredakteur beim Händlerbund und seit 2013 im E-Commerce zu Hause. Als stellvertretender Chefredakteur behält er vor allem den Überblick über die aktuellen Themen, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen im OHN Podcast.

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