
Multichannel E-Commerce bezeichnet den parallelen Vertrieb von Waren über mehrere, voneinander getrennte Verkaufskanäle. Dabei nutzt du neben deinem eigenen Onlineshop zusätzliche Plattformen wie Online-Marktplätze (Amazon, eBay, Kaufland), Social-Media-Kanäle (TikTok Shop, Instagram) oder den stationären Einzelhandel.
Multichannel E-Commerce: Das Wichtigste in Kürze
Multichannel bedeutet den Parallelvertrieb über getrennte Kanäle (eigener Shop, Marktplätze wie Amazon/eBay, Social Media). Die Kanäle agieren meist unabhängig voneinander.
Bestandsabgleich: Eine automatisierte Synchronisation der Lagerbestände über alle Kanäle hinweg ist zwingend erforderlich, um Überverkäufe und daraus resultierende Marktplatz-Sperren zu verhindern.
Datenhaltung: Alle Produktdaten sollten an einer Stelle gepflegt (Single Point of Truth) und über Schnittstellen für die Anforderungen der jeweiligen Kanäle (Bildformate, Kategorien) aufbereitet werden.
Risikomanagement: Durch die Präsenz auf mehreren Plattformen sinkt deine Abhängigkeit von einzelnen Traffic-Quellen oder Algorithmus-Änderungen einer einzelnen Plattform.
Auftragsabwicklung: Alle Bestellungen müssen in einem einheitlichen Workflow zusammenlaufen, damit Logistik und Kundenservice effektiv und ohne Systembrüche arbeiten können.
Welche sind die gängigsten Kanäle im Multichannel E-Commerce?
Wenn du deine Multichannel-Strategie planst, stehen dir verschiedene Wege offen:
Eigener Onlineshop: Deine digitale Heimat, in der du die volle Kontrolle über das Design und die Kundendaten hast.
Online-Marktplätze: Plattformen wie Amazon oder eBay bieten dir sofortigen Zugang zu Millionen von Kunden, verlangen aber Gebühren und unterwerfen dich ihren Regeln.
Social Commerce: Der direkte Verkauf über Apps wie TikTok oder Instagram, bei dem der Kaufimpuls direkt aus dem Content heraus entsteht.
Preisvergleichsportale: Google Shopping oder Idealo dienen als Reichweiten-Booster, die Traffic in deinen Shop leiten.
Der Hauptunterschied liegt im Grad der Vernetzung: Multichannel E-Commerce zielt darauf ab, möglichst viele Kanäle nebeneinander zu bespielen (Quantität). Omnichannel möchte hingegen ein verzahntes Einkaufserlebnis über alle Kanäle hinweg bieten (Qualität).
Im Multichannel-Modell kauft ein Kunde entweder im Shop oder beispielsweise auf Amazon; im Omnichannel-Modell kann er online bestellen und die Ware im Ladengeschäft abholen (Click & Collect) oder im Laden via Tablet ein Produkt bestellen, das nach Hause geliefert wird.
Welche Vorteile hat Multichannel E-Commerce?
Der Kernvorteil von Multichannel E-Commerce liegt in der aktiven Risikostreuung und dem Zugang zu geschlossenen Marktplatz-Ökosystemen. In deinem eigenen Onlineshop hast du die volle Kontrolle, aber musst jeden Besucher mühsam akquirieren.
Zusätzliche Kanäle erlauben dir, das bereits vorhandene Vertrauen und die mitunter gigantische Reichweite von Plattformen wie Amazon oder eBay für dich zu nutzen. Du steigerst deinen Umsatz, die Sichtbarkeit und sicherst dein gesamtes Unternehmen gegen die Abhängigkeit von einzelnen Traffic-Quellen ab.
Unmittelbarer Zugang zu bestehenden Kundenströmen: Auf Marktplätzen musst du keinen Traffic „erzeugen“, du musst ihn “lediglich einfangen“. Millionen von Menschen starten ihre Produktsuche direkt auf Amazon und anderen Plattformen. Durch Multichannel-Präsenz platzierst du dein Sortiment in diesem bereits fließenden Strom, statt darauf zu warten, dass Kunden deinen Shop über Suchmaschinen finden.
Reduzierung der Plattform-Abhängigkeit: Wenn dein gesamter Umsatz an einem einzigen Kanal hängt (z. B. Google Ads), bist du extrem verwundbar. Änderungen am Algorithmus oder steigende Klickpreise können dein Geschäftsmodell über Nacht gefährden. Multichannel verteilt diese Last: Schwächelt ein Kanal, können die anderen den Einbruch auffangen.
Nutzung von „Impulskäufen“ via Social Commerce: Multichannel bedeutet auch dort zu verkaufen, wo Aufmerksamkeit entsteht. Social-Media-Kanäle wie TikTok oder Instagram zeigen dein Produkt im Feed und in Momenten hoher Aufmerksamkeit. Es kann dort direkt gekauft werden, ohne den Umweg über eine externe Suche zu gehen.
Schnelltest neuer Märkte und Sortimente: Multichannel ist dein Labor. Du möchtest wissen, ob dein Produkt in Frankreich oder Italien ankommt? Statt direkt einen lokalisierten Onlineshop aufzubauen, kannst du deine Waren über internationale Marktplätze testen. Das Feedback der Kunden und die Verkaufszahlen geben dir eine verlässliche Datengrundlage, bevor du größere Investitionen tätigst.
Vor welchen Herausforderungen stehe ich beim Multichannel-Vertrieb?
Die größte Hürde im Multichannel-Vertrieb ist die stark steigende Komplexität bei der Verwaltung von Warenbeständen und Produktdaten. Mit jedem zusätzlichen Kanal wächst das Risiko von Überverkäufen, wenn Bestände nicht in Echtzeit synchronisiert werden.
Zudem fordern Marktplätze wie Amazon oder TikTok festgelegte Datenformate und Qualitätsstandards, was die manuelle Pflege deiner Artikel fast unmöglich macht. Ohne eine automatisierte Zusammenführung aller Bestelleingänge verlierst du zudem schnell den Überblick über deine Logistik und den Kundenservice.
Überverkäufe im Multichannel E-Commerce
Wenn du ein Produkt gleichzeitig im eigenen Shop und auf eBay anbietest, hast du ein Problem, sobald nur noch ein Exemplar auf Lager ist. Verkauft sich dieser Artikel fast zeitgleich auf beiden Plattformen, musst du eine der Bestellungen stornieren.
Das führt zu enttäuschten Kunden und sorgt bei Marktplätzen schnell für schlechte Rankings oder sogar Kontosperrungen. Eine manuelle Korrektur der Bestände ist ab einer gewissen Auftragsmenge nicht mehr fehlerfrei leistbar.
Unterschiedliche Anforderungen an Produktdaten im Multichannel E-Commerce
Du kannst deine Artikeldaten nicht einfach per „Copy & Paste“ auf alle Kanäle verteilen, denn jeder Marktplatz hat eigene Regeln:
Amazon verlangt spezifische Kategorisierungen und White-Background-Bilder.
TikTok Shop setzt auf kurze, prägnante Titel und vertikale Videoformate.
Google Shopping benötigt exakte GTINs und strukturierte Daten.
Diese Contentanforderungen zu handhaben, ohne für jede Plattform eine eigene Datenbank zu führen, ist eine der größten administrativen Aufgaben im Multichannel-Alltag.
Logistische Komplexität und Order-Handling im Multichannel E-Commerce
Wenn Bestellungen aus verschiedenen Quellen eintreffen, muss dein Team wissen, welches Paket wohin gehört und welche Versandbedingungen gelten.
Hinzu kommt das Retourenmanagement: Eine Rücksendung von einem Marktplatz muss buchhalterisch und logistisch anders behandelt werden als eine direkte Retoure in deinem Shop.
Rechtliche und steuerliche Hürden im Multichannel E-Commerce
Verkaufst du über Landesgrenzen hinweg oder nutzt du Fulfillment-Programme wie „Versand durch Amazon“ (FBA), wird es steuerlich komplex. Unterschiedliche Mehrwertsteuersätze und Lieferschwellen müssen korrekt erfasst werden.
Zudem hat jeder Marktplatz eigene rechtliche Vorgaben für das Impressum, die Widerrufsbelehrung und die AGB, die du aktuell halten musst.
Wie beherrsche ich die Komplexität des Multichannel E-Commerce?
Für einen tragfähigen Multichannelbetrieb deines E-Commerce solltest du deine Datenströme konsequent zentralisieren. Anstatt jeden Kanal (Shop, Amazon, eBay etc.) einzeln zu verwalten, nutzt du eine zentrale Steuerungseinheit, in der Regel dein Shopsystem oder ein angeschlossenes ERP-System, um Lagerbestände, Preise und Produktdaten automatisiert an alle Plattformen zu verteilen.
Eingehende Bestellungen aus allen Quellen fließen in umgekehrter Richtung wieder an diesen zentralen Punkt zurück, sodass du den gesamten Prozess von der Listung bis zum Versand an einer einzigen Stelle abwickelst.
Zentrale Produktdatenpflege (Single Point of Truth)
Anstatt Produktbeschreibungen und Bilder für jeden Kanal separat hochzuladen, pflegst du deine Stammdaten nur noch einmal in deinem Hauptsystem. Über Schnittstellen werden diese Informationen dann passgenau an die jeweiligen Kanäle ausgespielt.
Das spart dir sehr viel Zeit und stellt sicher, dass deine Markenbotschaft und deine Produktdetails überall einheitlich sind.
Automatisierter Bestandsabgleich in Echtzeit
Die wichtigste technische Anforderung ist die automatisierte Bestandsführung. Sobald ein Verkauf auf einem Kanal stattfindet, muss das zentrale System diesen Abzug registrieren und den neuen Lagerbestand sofort an alle anderen angebundenen Kanäle melden.
Diese Echtzeit-Synchronisation ist die einzige effektive Maßnahme gegen Überverkäufe und die damit verbundenen Sanktionen der Marktplätze.
Order-Aggregation: Alle Bestellungen in einem Workflow
Ein leistungsfähiges Multichannel-Setup bündelt alle Aufträge in einer gemeinsamen Übersicht. Für dein Team im Lager oder im Versand macht es dann keinen Unterschied mehr, ob eine Bestellung aus dem eigenen Webshop oder von einem externen Marktplatz stammt.
Der Pick- und Pack-Prozess bleibt identisch, und auch die Versandbestätigungen sowie Tracking-Nummern werden vom zentralen System automatisch an den jeweiligen Ursprungskanal zurückgegeben.
Mit Shopware zum Multichannel-Erfolg
Anstatt jeden Marktplatz oder jedes soziale Netzwerk einzeln zu betreuen, verwaltest du in Shopware alle Kanäle über eine einzige Oberfläche. Durch die API-first-Architektur ist das System zudem darauf ausgelegt, Daten mit Marktplätzen, ERP-Systemen und Feed-Management-Tools auszutauschen, sodass du die volle Kontrolle über deine Bestände und Preise behältst, egal wo du verkaufst.
In Shopware ist das Prinzip „Multichannel“ die Grundlage der Software. Du kannst im Admin-Bereich beliebig viele Verkaufskanäle anlegen, sei es für unterschiedliche Länder-Shops, für Instagram Shopping oder für große Marktplätze.
Zentrale Verwaltung: Du pflegst deine Produkte einmalig ein und entscheidest per Mausklick, in welchen Kanälen sie sichtbar sein sollen.
Individuelle Steuerung: Du kannst für jeden Kanal eigene Preise, Währungen oder Sortimente definieren. So verkaufst du beispielsweise auf Amazon zu anderen Konditionen als in deinem eigenen Shop.
Da Shopware nach dem API-first-Prinzip entwickelt wurde, ist jede Funktion des Shops über eine Programmierschnittstelle erreichbar:
Einfache Anbindung: Marktplatz-Anbieter können Daten besonders stabil und in Echtzeit mit deinem Shop austauschen.
Zukunftssicherheit: Sobald du einen neuen Verkaufskanal öffnen möchtest, ist die technische Hürde für eine Anbindung minimal, da Shopware bereits die Sprache der Drittsysteme spricht und du deine Produkte dort ausspielen kannst.
Mit dem Rule Builder kannst du festlegen, dass bestimmte Versandarten nur für Bestellungen aus deinem Webshop verfügbar sind oder dass Kunden auf einem speziellen Marktplatz ab einem gewissen Warenwert keine Versandkosten zahlen. Solche und viele weitere Regeln lassen sich ohne Programmierung direkt in der Administration festlegen.

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Multichannel E-Commerce – häufige Fragen und Antworten
Wo liegt der Unterschied von Multichannel zu Omnichannel?
Im Multichannel-Modell nutzt du mehrere Kanäle nebeneinander, die jedoch aus Kundensicht kaum oder gar nicht miteinander vernetzt sind. Der Kunde kauft entweder auf Kanal A oder auf Kanal B. Omnichannel hingegen verzahnt die Kanäle tiefgreifend, sodass beispielsweise online gekaufte Ware im Laden zurückgegeben werden kann (kanalübergreifender Service).
Mit welchen Kanälen sollte ich starten?
Das hängt von deiner Zielgruppe ab. Für die meisten Händler ist die Kombination aus eigenem Onlineshop und einem reichweitenstarken Marktplatz wie Amazon oder eBay der erste Schritt. Wenn du visuell darstellbare Produkte verkaufst, ist Social Commerce (z. B. Instagram) eine sinnvolle Ergänzung.
Benötige ich zwingend ein ERP-System für Multichannel?
Ab einem gewissen Auftragsvolumen ist eine automatisierte Steuerung (über ein ERP in Verbindung mit einem leistungsfähigen Shopsystem wie Shopware) unumgänglich. Manuelle Bestandsführung führt bei steigenden Verkaufszahlen unweigerlich zu Fehlern und Überverkäufen.
Wie gehe ich mit unterschiedlichen Preisen auf den Kanälen um?
Technisch gesehen ist es sinnvoll, die Preise kanalabhängig zu steuern. So kannst du die Gebühren von Marktplätzen direkt in deine dortigen Preise einpreisen, während du in deinem eigenen Onlineshop attraktivere Konditionen anbietest. In Shopware kannst du pro Marktplatz eigene Logiken anlegen.
Verursacht Multichannel viel Mehraufwand bei der Logistik?
Ohne Software-Unterstützung ja. Mit einem integrierten System fließen alle Bestellungen in eine Übersicht. Dein Versandprozess bleibt dadurch identisch, egal über welchen Weg die Bestellung eingegangen ist.



