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Shopware Konsumentenstudie: Warum regionale Händler ihre Chancen in der Krise nutzen sollten

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Die Welt steht still und doch dreht sich irgendwie alles schneller als noch vor zwei Monaten. Ein wenig fühlt es sich so an, als müssten wir unseren Fokus umlenken, unsere Aufmerksamkeit neuen Dingen widmen, um ein wenig das Gefühl von Alltag und Normalität zu bewahren. Besonders spürt das der stationäre Handel. Vom unabhängigen Buchhandel oder dem Deko-Geschäft bis hin zur Boutique und dem Italiener um die Ecke, der bis vor kurzem nichts von einem Lieferservice hielt, denn der Laden lief ja auch ohne bestens. Sie alle und viele mehr fühlen sich aktuell in Richtung Digitalisierung gedrängt. „Zwangsdigitalisierung“ – dieser Begriff fasst die Situation ganz gut zusammen, denn die wenigsten haben die nötigen Rücklagen, um problemlos über die Runden zu kommen, wenn der Laden mal ein oder zwei Monate geschlossen bleibt. Am Ende sind die Anforderungen der potenziellen Kunden an die neuen Onlinehändler allerdings gar nicht so hoch. Welche das sind, erfährst Du hier.

Wer wurde gefragt?

In einer Konsumentenstudie mit 39 Teilnehmern, die von Focusgroups und Shopware durchgeführt wurde, kamen einige interessante Erkenntnisse zum Vorschein, die dem lokalen Handel Hoffnung geben. Die Untersuchung erfolgte mithilfe von Fokusgruppen, welche als ein Instrument in der qualitativen Marktforschung eingesetzt werden. Dabei führt ein qualifizierter Moderator mit maximal zehn Teilnehmern eine moderierte Diskussion. Diese Forschungsmethode gibt einen tiefen Einblick in das Denken der Kunden und hilft somit, valide Entscheidungen zu treffen. Im Fall dieser Studie kommen wir auf vier Fokusgruppen in einer Alterspanne von 18-61 Jahren.

Das Konsumverhalten in Zeiten von Corona

Wenn sich eines sicher sagen lässt, dann dass sich das Konsumverhalten schlagartig verändert hat. Die Leute gehen mit einem mulmigen Gefühl in den Supermarkt und nehmen vielleicht etwas mehr mit als sie es normalerweise täten, um die Zeiträume zwischen den Einkäufen zu vergrößern. Viele sehen davon ab, für ein paar Kleinigkeiten spontan einzukaufen. Daher wird lieber mit Bedacht und einem genauen Plan in der Hinterhand, in größeren Abständen gekauft.

Eine Vielzahl der Kunden beschränkt ihre Einkäufe auf Lebensmittel und Hygieneartikel und sehen von spontanen Impulskäufen ab. Was nicht dringend benötigt wird, wird aufgeschoben oder online gekauft, wenn die finanzielle Lage es weiterhin zulässt.

Waren des alltäglichen Gebrauchs (z. B. Tierfutter, Hefe, Mehl, Toilettenpapier) werden vermehrt online eingekauft, da sie vor Ort häufig nicht mehr erhältlich sind. Die Welle der Kunden führt sogar so weit, dass einige kleine Händler, die sich beispielweise auf den Verkauf von Mehl und anderen Backzutaten spezialisiert haben, ihren Onlineshop vorrübergehend schließen müssen, um mit der Menge an Bestellungen fertig zu werden.

Der Lokalhandel erfindet sich neu

Aber was ist mit denen, die nicht als die Gewinner der Coronakrise in den Köpfen der Menschen verankert sind? Wird der lokale Handel vergessen oder verspüren die Konsumenten vielleicht eine neue Art von „Lokalpatriotismus“?

Die Leute sind sich sicher! Der lokale Handel soll unterstützt werden. Bei vielen blinkt da nur die Frage nach dem „wie?“ auf. Tatsächlich ist einigen Kunden nicht bewusst, dass der Händler um die Ecke die Möglichkeit hat, weiterhin Waren zu verkaufen, auch wenn das Geschäft für Laufkundschaft geschlossen bleibt.

Wer keine starke Kundenbindung mit einem hohen Anteil an Stammkundschaft hat, die er über die neuen Möglichkeiten rechtzeitig informieren konnte, hat es spätestens durch eine bisher fehlende Onlinepräsenz schwer, die Kundschaft zu erreichen. Es herrscht ein großes Kommunikationsproblem.

Abhilfe schaffen können unter anderem regionale Plattformen, die zum Teil neu ins Leben gerufen wurden. Diese haben oft eine deutlich größere Chance, potenzielle Kunden zu erreichen, die dann über die neuen Einkaufsmöglichkeiten informiert werden. Shopware hat in Zusammenarbeit mit weiteren Unternehmen das Portal "Downtown" entwickelt, welches in Kürze zur Verfügung stehen wird. Mit Downtown soll regionalen Händlern auch ohne E-Commerce Erfahrung geholfen werden schnell und einfach Produkte online zu verkaufen.

Auch der Verkauf von Gutscheinen ist für Händler vielversprechend. Kunden sehen darin eine tolle Möglichkeit, den regionalen Handel zu unterstützen. Ob als Ostergeschenk oder als Kauf aus Solidarität, die Beweggründe sind unterschiedlich. Die einzige Sorge der Kunden ist dabei, ob der Kauf eines Gutscheins genügt, um den Erhalt des Geschäfts zu sichern, bei dem man den Gutschein irgendwann dann auch einlösen möchte.

Insgesamt sind die Kunden dem Lokalhandel sehr gut gestimmt und gewillt, auch online seine Waren zu beziehen.

So muss der Onlineshop aussehen

Entgegen so mancher Befürchtungen sind die Anforderungen der Kunden an lokale Händler sehr human. Wichtig sind den Kunden lediglich fünf Aspekte: Die Ware, die Verfügbarkeit, eine Möglichkeit der Lieferung, eine einfache Bezahlmöglichkeit und ein einfach zu bedienender Shop. Auf Gütesiegel, die über Seriosität Auskunft geben, kann verzichtet werden. In der Regel wissen die Kunden, wer hinter dem Shop steckt. Haben sie vertrauen in den Laden vor Ort, haben sie auch Vertrauen in den Shop im Internet. Als Händler darf man nicht vergessen, dass den Leuten bewusst ist, dass der Onlineshop schnell aus dem Boden gestampft wurde, um die Kundschaft weiterhin versorgen zu können.

Einfach mal machen!

Eine Digitalstrategie ist für jeden notwendig. Die Studie zeigt, dass die Kunden gewillt sind, zu unterstützen und auf Schnick-Schnack verzichten können. Selbst ein mittelmäßiger Notfallshop findet heute eine hohe Akzeptanz.

„Niemand hätte mit der aktuellen Situation rechnen können, kein Unternehmen hat für einen bundesweiten Shutdown ein Szenario vorbereitet. Allerdings wird deutlich, dass der stationäre Handel auf tönernen Füßen steht“, so Johannes Altmann, Gründer von Focusgroups.io.

Die Einstiegsbarrieren fallen und die Händler können sich dieser Aufgabe momentan ohne Risiko und teilweise kostenlos widmen. Das ist die Chance in den digitalen Handel einzusteigen und die Kunden über die neue Kaufmöglichkeit zu informieren. Schon lange ist die Rede vom Sterben der Innenstädte. Vielleicht können wir das genau jetzt verhindern, indem Kunden schon heute und dann auch in Zukunft die Möglichkeit gegeben wird, über neue Wege einzukaufen. Nämlich so wie es viele bereits am liebsten haben – vom Sofa aus. Wenn sich die Lage dann wieder normalisiert hat, sind die Kunden über die Option des Onlinekaufs informiert und können auch im stressigen Alltag zwischen Tür und Angel den regionalen Handel unterstützen. Heute ist das Einkaufen vor Ort, wenn überhaupt, nur eingeschränkt möglich, doch auch in Zukunft werden viele potenzielle Kunden nicht die Zeit dazu finden.  Da lohnt es sich doch doppelt, ihnen eine neue Möglichkeit aufzuzeigen.