
Von überall aus unserer Händler-Community treffen Meldungen ein. Ein Gründer zeigt mir ein Dashboard, auf dem die Bestellungen von agentengetriebenen Käufern vier Wochen in Folge Woche für Woche verdoppelt wurden. Ein anderer ruft mich aus seiner Rösterei an und sagt: „Stefan, ich verkaufe seit fünfzehn Jahren Kaffee online – und ich habe noch nie erlebt, dass ein neuer Kanal so explodiert. Der konvertiert besser als alles auf meiner Seite. Und ich habe absolut nichts dafür getan.“
Diese Stimmen fangen den Moment besser ein, als es irgendein Diagramm je könnte. Sie bestätigen, was unsere Produktdaten seit Monaten andeuten: Autonome Agenten sind kein ferner Trend – sie stehen bereits in der Checkout-Schlange. Genau deshalb habe ich „When Customers Turn Into Code“ geschrieben. Dieses Feldhandbuch ist aus echten Zahlen und echten Gesprächen entstanden – und soll allen Shopware-Händler:innen helfen, den am schnellsten wachsenden Vertriebskanal der letzten Jahrzehnte zu nutzen.
Ein Morgen ohne Pixel
- Um 07:03 Uhr landet eine Bestellung im ERP. - Kundenname: 0x17F3-PayPalBot. - Warenkorb: zwei Paletten Espresso-Bohnen, eine Industriekreuzmühle, Expressversand.
Für solche Bestellungen sind weder Cookie-Banner nötig, noch ein 'In den Warenkorb'-Button oder ein Nurturing-Funnel mit sieben Touchpoints. Eine Entscheidungs-Schleife innerhalb eines Agenten hat bestimmte Spezifikationen, Preis, Verfügbarkeit und Risiko bewertet – zu einem Zeitpunkt, als die meisten Menschen noch nicht einmal ihren ersten Kaffee getrunken haben.
In meinem Artikel „Wenn KI den Checkout übernimmt: Agentic Commerce verändert den Onlinehandel“ habe ich aufgezeigt, warum der klassische Funnel auf die Dauer eines Kaffeeschlucks geschrumpft ist. Im Folgebeitrag „Goodbye Klickpfad, hallo Thought-Chain: die Zukunft des Agentic Commerce 2025“ habe ich dies wieder aufgegriffen und bin tiefer ins Detail gegangen – dabei habe ich auch den Begriff „Halbsekunden-Ökonomie“ ins Spiel gebracht. Heute drehen wir den Spieß um: Was passiert, wenn der Käufer ebenfalls Code ist, und wie können Händler davon profitieren statt geschockt zu sein?
1. Der Aufstieg des Machine Customers
Gartner geht davon aus, dass bis 2030 rund die Hälfte aller Nachkäufe von autonomen Agenten erledigt wird. Mein Posteingang sagt: Die Welle kommt früher. Bots durchforsten strukturierte Feeds und Logistik-APIs, wägen Optionen ab und nutzen dann Visa Intelligent Commerce, ohne auch nur zu blinzeln – buchstäblich.
Drei bedeutende Veränderungen für Händler:
Keine Discovery ohne qualitative Daten – wenn dein JSON-Feed wenig hergibt, bist du unsichtbar.
Differenzierung durch objektive Einzigartigkeit – proprietäre Spezifikationen, exklusive Inhalte und Service SLAs.
Loyalität durch Latenz – der Agent belohnt, wer am schnellsten korrekte Bestände und Preise liefert.

Der "Machine Customer" steigt schnell auf
2. Die Anatomie eines Machine Customers
Voraussetzungen schaffen
Stell dir Montagmorgen in Münster vor. Der Espresso tropft noch aus dem Siebträger, als mir ein Händler schreibt „Stefan, der neue Bot-Traffic hat heute noch vor dem Frühstück meinen Human-Checkout überholt. Die Conversion ist so absurd gut, als hätte jemand einen Cheat Code aktiviert.“ Ich lache, verschütte ein bisschen Kaffee und öffne sein Dashboard. Die Kurve auf dem Diagramm sieht aus wie eine umgedrehte Skisprungschanze – es geht zielgerichtet nach oben.
In diesem Moment fällt der Groschen: Machine Customers shoppen schneller, als wir einen doppelten Espresso zubereiten können. Sie haben null Geduld für fehlende Daten und noch weniger für Latenz. Sie zahlen mit tokenisierten Wallets und bewahren Belege auf, die jeden Prüfer stolz machen würden.
Im Folgenden siehst du den genauen Aufbau solcher maschinengetriebenen Käufer, sortiert nach Priorität. Wenn du heute die zwei oberen Punkte abhakst, wird sich das für dich auszahlen, sobald PayPal demnächst die Agent-Checkout-Lösung aktiviert.
Priorität | Schicht | Händler-Maßnahme |
|---|---|---|
1 | Preference- und Policy-Graph | Jeden SKU-Feed mit strukturierten Daten anreichern |
2 | Decision-Time-SLA (Reaktionszeit-SLA) | 100 ms Latenz führen direkt zu Umsatzverlust. |
3 | PayPal Agent Credential | PayPal-Token-fähige Zahlungen akzeptieren |
4 | Audit Trail und Trace ID | Für die Compliance müssen Protokolle von KI-basierten Bestellungen fälschungssicher gespeichert werden |
3. Vier wichtige KPIs, die jeder Vorstand im Blick haben sollte
In meinem LinkedIn-Artikel „When Code writes Code“ habe ich gezeigt, wie KI meinen Backlog drastisch verkleinert hat – und wie ich statt Syntax endlich die strategischen Entscheidungen in den Mittelpunkt stellen konnte. Dieselbe Denkweise gilt für Commerce-Daten. Ersetze Vanity Page Views durch Zahlen, die für Bots wirklich zählen:
Priorität | KPI | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|
Heute tracken | Data Fill Rate | Bots überspringen Artikel mit unvollständigen Daten |
Heute tracken | Update-Speed | Veraltete Bestände oder Preise führen dazu, dass Bots dich auf die Blacklist setzen |
Danach angehen | Uniqueness Index | Exklusive oder einzigartige Daten verbessern dein Ranking bei Bots |
Danach angehen | Bot Trust Rating | Nicht eingehaltene SLAs sorgen dafür, dass Ausgaben auf andere Anbieter umgeleitet werden |
Feed Completeness – Verhältnis der unvollständigen Attribute zur Gesamtzahl der erforderlichen Attribute.
Feed Freshness – durchschnittliches Alter der Bestands- und Preisdaten in Sekunden.
Uniqueness Score – Anteil der Attribute, die im eigenen Katalog einzigartig sind im Vergleich zum Durchschnitt der Kategorie.
Trust Score – prozentualer Anteil der Bestellungen, die deinen veröffentlichten SLAs entsprechen
Bonus: Integriere diese Kennzahlen ins operative Dashboard – du wirst sehen, wie dein Team automatisch präziser, weil sie mit den Anforderungen der Bots mithalten wollen.
4. Implementierungs-Blueprint

Schritt 1 – Daten aufräumen
Denke an den Frühjahrsputz bei deinen Produktinformationen. Überprüfe jeden Eintrag in Shopware: Titel, Spezifikationen, Preis, Lagerbestand, Garantie. Fülle Lücken, entferne Daten-Staubflusen. Je vollständiger die Daten, desto einfacher kann ein Bot sie finden.
Schritt 2 – deinen Shop beschleunigen
Bots steigen aus, wenn sie warten müssen. Versuche bei Produkt-, Lager- und Preis-Informationen Reaktionszeiten von unter einer Sekunde zu erreichen. Wenn's nicht klappt, aktiviere den integrierten Cache oder verschiebe große Bilder auf ein CDN.
Schritt 3 – PayPal-Agent aktivieren (sobald verfügbar)
PayPals neues Token ermöglicht es einem Agenten, ohne Karte zu bezahlen. Sobald wir das PayPal-Plugin aktualisiert haben: aktiviere die Option „Agenten-Checkout“ und führe den Wizard aus. Jetzt können Machine Customers so schnell bezahlen, wie sie denken.
Schritt 4 – einen Bot-Test durchführen und monitoren
Achte darauf, welche Daten du verwendest und testest, welche du preisgibst und wo Optimierungspotenzial liegt.
Das ist alles. Vier Häkchen setzen, kein Doktortitel erforderlich. Sobald du das erledigt hast, bist du offen fürs Business in der Halbsekunden-Ökonomie. Kaffeepause optional. ☕
5. Aus Bot-Traffic echten Gewinn erzielen
Stell dir deinen Shop wie eine gut besuchte Espresso-Bar vor. Menschliche Kund:innen verweilen, stöbern und plaudern. Maschinelle Kundschaft verhält sich eher wie Fahrer:innen auf E-Bikes: Sie gleiten herein, wissen genau, was sie wollen, und sind in Sekundenschnelle wieder weg. Es geht um Geschwindigkeit, nicht um Spektakel. Deine Aufgabe ist es, ihnen eine perfekte Tasse zu servieren, noch bevor sie langsamer werden. Wenn du das schaffst, landet der zusätzliche Umsatz in deiner Kasse, während die anderen Händler noch am Milchschaum arbeiten.
Umsatzhebel | Bedeutung im Alltag | So aktivierst du es in Shopware |
|---|---|---|
Smart Reorder | Der Bot überwacht den Bestand im Vorratsraum oder Lager des Kunden und löst die Nachbestellung aus, sobald die Bestände niedrig sind | Füge deinen Produkten ein Feld „Mindestbestand“ hinzu, veröffentliche es im Feed und aktiviere den Reorder-Webhook im Admin. Den Rest übernimmt Shopware |
Bot Built Bundles | Agenten lieben fertig geschnürte Kits. Biete Produkte als Paket an, das ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bietet | Nutze die Funktion Dynamic Product Groups, um Kits zu erstellen, und gib die Bundle-ID in deinem Feed aus |
B2B Agent Quotes | Einkäufer für Unternehmen setzen Beschaffungs-Bots ein, die noch vor der Mittagspause drei Angebote einholen. | Aktiviere die B2B Suite, veröffentliche deinen /agent/quote-Endpoint und mappe deine Preisstufen. Ab jetzt stehst du auf jeder Ausschreibungsliste eines Bots. |
Re-ordering Agents – automatisches nachbestellen von Verbrauchsmaterialien, wenn der Bestand unter den Schwellenwert fällt.
Dynamische Pakete – lasse Bots kompatible Sets (Bundles) zusammenstellen und zeige eine 1-Klick-Genehmigung für den Menschen zur Freigabe an.
B2B-Beschaffung – Shopware in ERP–Marktplätze integrieren, damit Firmenkunden /agent/quote direkt aufrufen können.
In dieser Welt schlägt Execution-Engine-Optimierung SEO – ein Punkt, den ich im Thought-Chain-Artikel betont habe. Investiere in Pipes statt in Pixel!
6. Shopwares Perspektive
Wir haben Shopware auf dem Prinzip des Open Commerce aufgebaut. Der Handel von Maschine zu Maschine ist die ultimative Bestätigung dieser Vision – und wir werden unsere Agentic–Commerce–Fähigkeiten in schnellen Iterationen weiter optimieren, darunter:
Agent Ready Feeds – automatisch generierte OpenAI-Discovery-Dateien.
Latency-First Cart – ein In-Memory-Preis- und Bestandsservice mit Reaktionszeiten im Mikrosekundenbereich.
Policy Engine – deklarative Leitplanken, die jede Antwort mit einer HMAC-Signatur versehen und so Agenten kryptografischen Nachweis liefern.
Alle Funktionen erscheinen unter einer MIT–Lizenz – denn die Zukunft sollte offen sein – auch wenn dein Kunde nur aus Code besteht.
7. Call to Action
Richte dir diese Woche ein Sandbox-Wallet ein und schicke einen Test-Agenten auf deinen Feed. Wenn der Bot ohne einen einzigen menschlichen Klick konvertiert – gönn dir einen Espresso: Du bist gerade in der Halbsekunden-Ökonomie angekommen. Wenn nicht, steht eine Backlog-Grooming-Session bevor. So oder so – beides ist besser als zu warten.
Stay curious, keep shipping! Und denk dran: Die nächste große Buyer Persona hat vielleicht gar keine Persona mehr – sondern nur noch einen API-Schlüssel. 🚀

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