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Shopware-Integrationen: So gelingt das Zusammenspiel komplexer Systemlandschaften

Shopware-Integrationen: So gelingt das Zusammenspiel komplexer Systemlandschaften

Ein Interview mit Yann Karl, CTO Deutschland bei Strix

Die Anbindung einer E-Commerce-Plattform an ERP-, Beschaffungs-, Personalisierungs- und andere geschäftskritische Systeme kann schnell komplex werden – insbesondere im B2B. Doch was unterscheidet eine gute Integration von einer, die mehr Probleme schafft als löst?

Wir haben mit Yann Karl, CTO Deutschland bei Strix, darüber gesprochen, worauf es bei erfolgreichen Shopware-Integrationen ankommt – von der ERP-Anbindung über EDI und OCI PunchOut bis hin zur intelligenten Suche.


Yann, Händler sprechen häufig davon, Shopware in ihre bestehende Systemlandschaft zu integrieren. Was zeichnet eine gute Integration eigentlich aus?

Yann Karl: Eine gute Integration beginnt beim Geschäftsprozess, nicht bei der Schnittstelle.

Bevor du entscheidest, wie zwei Systeme miteinander kommunizieren sollen, musst du verstehen, welches System für welche Daten verantwortlich ist, wohin diese Daten übertragen werden müssen, wie schnell das geschehen soll und was passiert, wenn etwas schiefläuft.

Das wird besonders wichtig, wenn die Systemlandschaft wächst. Ein ERP-System verwaltet beispielsweise Bestände, Preise oder Finanzprozesse, während Shopware für das Einkaufserlebnis zuständig ist. Hinzu kommen möglicherweise ein PIM-System, Such- und Personalisierungstechnologien, Beschaffungssysteme, Marktplätze oder weitere Dienste.

Das Ziel sollte nicht einfach darin bestehen, alles mit allem zu verbinden. Vielmehr geht es darum, jedem System eine klare Rolle zuzuweisen und einen zuverlässigen Datenaustausch zwischen den Systemen sicherzustellen.

ERP-Systeme stehen häufig im Mittelpunkt einer solchen Systemlandschaft. Was hast du aus Integrationen wie der von Shopware und Navision gelernt?

Yann: Die wichtigste Erkenntnis ist, dass die Technologie selbst oft gar nicht die größte Herausforderung darstellt. Die eigentliche Komplexität entsteht durch die Prozesse und Datenstrukturen, die sich über viele Jahre rund um ein ERP-System entwickelt haben.

Navision ist dafür ein gutes Beispiel. In vielen Unternehmen ist Microsoft Dynamics NAV bereits seit Jahren im Einsatz, bevor Shopware Teil der Systemlandschaft wird. In dieser Zeit haben sich individuelle Module, Preisstrukturen, Workflows und Sonderfälle angesammelt. Deshalb gibt es in der Regel keine standardisierte Navision-Integration, die sich einfach aktivieren lässt.

Du kannst die Systeme direkt über APIs miteinander verbinden, eine Middleware einsetzen oder eine Erweiterung als Ausgangspunkt nutzen. Außerdem musst du entscheiden, welche Informationen in Echtzeit übertragen werden sollen und bei welchen Daten eine regelmäßige Synchronisierung ausreicht.

Besonders wichtig ist es, sich vor der Implementierung mit der Datenqualität und der Geschäftslogik auseinanderzusetzen. Ein Integrationsprojekt bietet eine gute Gelegenheit, zu hinterfragen, ob wirklich jeder bestehende Prozess aus dem Altsystem in der neuen Umgebung nachgebildet werden muss.

Mehr dazu: A Tale of Two Systems: Shopware x Navision

Gilt dasselbe Prinzip auch für ein modular aufgebautes ERP-System wie Odoo?

Yann: Ja, auch wenn die Ausgangssituation eine andere sein kann.

Der modulare Ansatz von Odoo kann besonders für wachsende Unternehmen attraktiv sein, die ERP-Funktionen schrittweise einführen möchten. Trotzdem musst du eine grundlegende Architekturentscheidung darüber treffen, wie Shopware und Odoo miteinander kommunizieren sollen.

Eine direkte API-Anbindung kann bei vergleichsweise einfachen Anforderungen gut funktionieren. Standardintegrationen können die Umsetzung gängiger Anwendungsfälle beschleunigen. Sobald jedoch individuellere B2B-Prozesse, mehrere Vertriebskanäle oder zusätzliche Systeme ins Spiel kommen, kann Middleware sinnvoll werden. Sie entkoppelt die Systeme voneinander und schafft eine zentrale Stelle, über die sich Datenflüsse steuern lassen.

Entscheidend ist, dass du dich nicht allein deshalb für eine Integrationsmethode entscheidest, weil sie am ersten Tag am einfachsten erscheint. Überlege auch, was passiert, wenn sich deine Prozesse, Vertriebskanäle und deine Systemlandschaft verändern.

Mehr dazu: Shopware x Odoo: Integration statt Insellösungen

B2B-Händler müssen außerdem Daten mit Kunden und Lieferanten austauschen. Welche Rolle spielt EDI dabei?

Yann: EDI – Electronic Data Interchange, also elektronischer Datenaustausch – löst eine andere Herausforderung bei der Integration: die standardisierte, automatisierte Kommunikation zwischen Unternehmen.

Anstatt dass jemand eine Bestellung per E-Mail erhält und die Daten manuell in ein anderes System überträgt, ermöglicht EDI den direkten Austausch strukturierter Geschäftsdokumente zwischen Systemen. Dazu gehören beispielsweise Bestellungen, Rechnungen, Auftragsbestätigungen, Versandmitteilungen und Bestandsinformationen.

In einer typischen Shopware-Architektur muss EDI nicht zwangsläufig direkt in die E-Commerce-Plattform integriert sein. Shopware kann beispielsweise Bestellungen über eine API oder Middleware an das ERP-System übergeben, während die EDI-Ebene die internen Systeme des Unternehmens mit externen Kunden, Lieferanten oder Logistikdienstleistern verbindet.

Für Unternehmen, die große Bestellvolumina verarbeiten oder im Großhandel tätig sind, kann das erhebliche Vorteile bringen. Wiederkehrende manuelle Aufgaben werden reduziert, das Risiko von Eingabefehlern sinkt und Transaktionen lassen sich schneller abwickeln.

Das Interessante an EDI ist, dass die Technologie alles andere als neu ist. Das Problem, das sie löst, ist aber nach wie vor hochrelevant: Geschäftssysteme sollen zuverlässig Informationen austauschen können, ohne dass jedes Mal ein Mensch eingreifen muss, um die Verbindung zwischen ihnen herzustellen.

Mehr dazu: Maschinengespräche: EDI-Schnittstelle für den E-Commerce auf Shopware

Und wie sieht es mit Open Catalog Interface (OCI) PunchOut aus? Warum ist das gerade im B2B-Handel so relevant?

Yann: OCI PunchOut ist ein gutes Beispiel für eine Integration, die einen komplexen Prozess für die einkaufende Person ganz einfach erscheinen lassen kann.

Der Einkauf beginnt im Beschaffungs- oder ERP-System des eigenen Unternehmens. Von dort aus ruft die einkaufende Person den Shopware-Onlineshop des Lieferanten auf. Sie kann den aktuellen Produktkatalog des Lieferanten durchsuchen und dort einen Warenkorb zusammenstellen. Anstatt die Bestellung direkt in Shopware abzuschließen, wird der Warenkorb zurück an das Beschaffungssystem übertragen und dient dort als Grundlage für eine interne Bestellanforderung. Die Freigabe, die Budgetkontrolle und die Erstellung der eigentlichen Bestellung erfolgen anschließend in diesem System. Die darauffolgende Übermittlung der Bestellung an den Lieferanten ist ein separater Integrationsschritt.

Das bedeutet, dass das einkaufende Unternehmen seine bestehenden Freigabeprozesse, Budgets und Beschaffungsrichtlinien beibehalten kann. Gleichzeitig profitiert die einkaufende Person von den aktuellen Produktinformationen und dem Einkaufserlebnis im Onlineshop des Lieferanten.

Für Händler, die an größere Unternehmen verkaufen, kann das strategisch wichtig sein. Du verlangst von deinen Kunden nicht, ihre bestehenden Beschaffungsprozesse aufzugeben, um bei dir einzukaufen. Stattdessen integrierst du das Einkaufserlebnis in genau diese Prozesse.

Mehr dazu: OCI PunchOut x Shopware: Knockout für Medienbrüche im B2B

Bei Integrationen geht es nicht nur um effizientere Backoffice-Prozesse. Was zeigt das Beispiel Shopware und Nosto?

Yann: Es zeigt, dass die Integrationsarchitektur auch direkten Einfluss auf das Kundenerlebnis haben kann.

Die Suche ist ein gutes Beispiel dafür. Wenn ein Onlineshop über einen großen Produktkatalog verfügt, reicht es möglicherweise nicht aus, Suchanfragen einfach mit bestimmten Keywords abzugleichen. Nosto kann anhand der verfügbaren Katalogdaten die Absicht hinter einer Suchanfrage interpretieren. Wenn zusätzlich Verhaltensdaten und ein entsprechendes Tracking-Setup vorhanden sind, lassen sich Suchergebnisse, Produktempfehlungen und weitere Bereiche des Einkaufserlebnisses noch stärker personalisieren.

Allerdings schafft die Einführung einer zusätzlichen Technologie nicht automatisch einen Mehrwert. Für die semantische Suche benötigst du ausreichend Produktinformationen. Für die Personalisierung sind wiederum Verhaltensdaten und ein entsprechendes Tracking-Setup erforderlich. Auch danach müssen die zuständigen Teams das Einkaufserlebnis kontinuierlich überwachen und optimieren.

Darin steckt eine wichtige Erkenntnis, die weit über die Suche hinausgeht: Die Integration eines Tools ist erst der Anfang, nicht das Ende. Der eigentliche Mehrwert entsteht dadurch, wie gut es die Customer Journey unterstützt und wie effektiv das Unternehmen die Technologie anschließend einsetzt.

Mehr dazu: Shopware x Nosto: Intelligentes Suchen und Finden im E-Commerce

Bei all diesen Möglichkeiten: Wie können Händler verhindern, dass ein unübersichtliches Integrationslabyrinth entsteht?

Yann: Am Anfang sollten immer die Zuständigkeiten und Prozesse stehen.

Frage dich, welches System für welche Informationen die maßgebliche Datenquelle sein soll. Erfasse, welche Daten tatsächlich zwischen den Systemen ausgetauscht werden müssen. Entscheide, wo eine Echtzeitsynchronisierung einen geschäftlichen Mehrwert bietet und wo eine zeitgesteuerte Aktualisierung ausreicht.

Und unterschätze die Sonderfälle nicht. Der standardmäßige Bestellprozess ist selten das, was eine Integration wirklich schwierig macht. Häufig sind es spezielle Preisvereinbarungen, ungewöhnliche Fulfillment-Prozesse, kundenspezifische Produktkataloge oder Regeln aus Altsystemen, die bereits seit fünfzehn Jahren bestehen.

Wenn du diese Anforderungen verstehst, bevor du mit der Umsetzung beginnst, kannst du deutlich bessere Architekturentscheidungen treffen.

Das Ziel ist nicht, möglichst viele Integrationen zu schaffen. Es geht darum, eine Systemlandschaft aufzubauen, die auch dann übersichtlich und anpassungsfähig bleibt, wenn sich das Unternehmen verändert.


Wie geht es bei Strix mit den Shopware-Integrationen weiter?

Die Integrationsserie von Strix behandelt auch die Anbindung von Shopware an SAP über IDoc sowie die Integration von Shopware und Microsoft Dynamics 365 Business Central. Zusammen verdeutlichen diese Beispiele einen wichtigen Punkt für Händler mit komplexen Technologielandschaften: Integrationen sollten nicht als isolierte technische Projekte betrachtet werden. Sie sind Teil der Architektur, die den Onlinehandel mit den übrigen Geschäftsbereichen eines Unternehmens verbindet.

Entdecke die Integrationsserie von Strix

Du möchtest mehr über eine bestimmte Integration erfahren? Dann wirf einen Blick auf die ausführlichen Artikel von Strix zu folgenden Themen:


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