
Nach mehr als 26 Jahren stellt Shopware seine Führung neu auf. Joachim Weber, bisher CFOO, übernimmt ab dem 17. August 2026 gemeinsam mit Sebastian Hamann die Rolle des Co-CEO. Zum 1. Januar 2027 wird er alleiniger CEO der shopware AG. Die Gründer Sebastian und Stefan Hamann ziehen sich jedoch keineswegs aus dem Unternehmen zurück: Sie konzentrieren sich künftig auf die Bereiche, in denen sie nach eigener Überzeugung den größten Unterschied machen können: Experience und Agentic Commerce.
Im Gespräch erklären die drei, warum der Wechsel gerade jetzt kommt, was sich tatsächlich verändert und weshalb Menschen und KI-Agenten künftig gleichermaßen im Mittelpunkt des Handels stehen.
Stefan, Sebastian, Joachim, zunächst die wichtigste Frage: Wer führt Shopware künftig?
Joachim Weber: Ab dem 17. August führen Sebastian und ich Shopware zunächst gemeinsam als Co-CEOs. Diese Übergangsphase läuft bis Ende 2026. Ab dem 1. Januar 2027 übernehme ich dann die alleinige Verantwortung als CEO. Das ist ein bewusst geplanter Übergang, bei dem wir Stabilität und klare Verantwortlichkeiten miteinander verbinden.
Sebastian Hamann: Uns war wichtig, diesen Wechsel nicht von heute auf morgen zu vollziehen. Joachim kennt Shopware, das Team und unsere Strukturen sehr genau. Die gemeinsame Phase gibt uns die Möglichkeit, Verantwortung sauber zu übergeben und gleichzeitig die nächsten Schritte vorzubereiten.
Bedeutet das, dass ihr Gründer euch aus dem Unternehmen zurückzieht?
Sebastian Hamann: Ganz im Gegenteil. Wir gehen nicht weg, wir schärfen unseren Fokus. Stefan und ich haben Shopware gegründet, weil wir Produkte entwickeln und Dinge gestalten wollten. Genau darauf konzentrieren wir uns künftig wieder stärker.
Ich übernehme als Chief Experience Officer die langfristige Experience-Vision. Dabei geht es nicht nur um einzelne Oberflächen oder Funktionen, sondern um die gesamte Erfahrung mit Shopware: für Händler, Partner und letztlich auch für die Menschen, die in den Shops einkaufen. Gerade das Thema Mensch und Erlebnis wird in Zeiten Künstlicher Intelligenz immer mehr an Bedeutung gewinnen.
Stefan Hamann: Und ich werde mich als Chief Agentic Officer auf Agentic Commerce konzentrieren. Das ist für mich eines der spannendsten Themen, die der digitale Handel seit Langem gesehen hat. Entscheidend ist jetzt, den Hype von echter Substanz zu trennen: Wo können autonome KI-Agenten Händler tatsächlich entlasten, Prozesse beschleunigen und Kundenerlebnisse verbessern? Genau das werde ich bei Shopware gemeinsam mit meinem Team untersuchen und daraus Funktionen entwickeln, die im Alltag unserer Händler messbaren Mehrwert schaffen.
Warum erfolgt dieser Schritt gerade jetzt?
Sebastian Hamann: Weil jetzt der richtige Zeitpunkt ist. Shopware hat sich finanziell und organisatorisch sehr gut entwickelt. Gleichzeitig verändert sich der E-Commerce grundlegend. Für uns stellte sich deshalb die Frage: Wie verteilen wir unsere Stärken so, dass Shopware für das nächste Kapitel bestmöglich aufgestellt ist?
Joachim Weber: Wir haben in den vergangenen Jahren viel in professionelle Strukturen und skalierbare Prozesse investiert. 2025 ist unser Anteil wiederkehrender Umsätze gegenüber dem Vorjahr um mehr als 40 Prozent gestiegen, zum zweiten Mal in Folge. Die neue Führungsstruktur baut auf dieser Entwicklung auf. Sie schafft klare operative Verantwortung und gibt Stefan und Sebastian gleichzeitig mehr Raum für Produktinnovation.
Joachim, du bist seit 2023 bei Shopware. Was nimmst du dir als künftiger CEO vor?
Joachim Weber: Shopware verbindet ein starkes Produkt mit einer außergewöhnlichen Community und einem sehr lebendigen Partnerökosystem. Darin steckt erhebliches Potenzial für weiteres internationales Wachstum. Meine Aufgabe wird sein, dieses gemeinsam mit dem Team, unseren Partnern und den Gründern zu nutzen. Dazu gehören eine konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen unserer Händler, die Skalierung unserer neuen Produkte und Lösungen sowie der Ausbau unserer Innovationsführerschaft.
Was verändert sich für Kunden und Partner konkret?
Joachim Weber: Unsere strategische Richtung, unsere Produkt-Roadmap und unser Bekenntnis zu Kunden, Partnern und der Open-Source-Community bleiben bestehen. Was sich verändert, ist vor allem die Verteilung der Führungsverantwortung.
Die operative Unternehmensführung wird künftig klar bei mir gebündelt. Stefan und Sebastian konzentrieren sich auf zwei strategische Produktbereiche, die für die Zukunft des Handels entscheidend sein werden. Dadurch wird die Verantwortung nicht komplizierter, sondern klarer.


Links: Stefan und Sebastian Hamann, rechts: Joachim Weber
Stefan, was genau versteht ihr unter Agentic Commerce?
Stefan Hamann: Der Handel bekommt gewissermaßen eine zweite Kundengruppe. Neben Menschen werden künftig auch KI-Agenten Produkte suchen, Angebote vergleichen, Entscheidungen vorbereiten und möglicherweise Teile einer Transaktion durchführen.
Dafür müssen Commerce-Systeme Informationen nicht nur visuell darstellen, sondern sie auch strukturiert und zuverlässig für Maschinen zugänglich machen. Gleichzeitig brauchen Händler Kontrolle darüber, was ein Agent tun darf und wo ein Mensch entscheiden muss. Agentic Commerce bedeutet für uns deshalb weit mehr als einen Chatbot im Onlineshop. Es geht um eine neue Infrastruktur für den Handel.
Klingt das nicht so, als würde das menschliche Einkaufserlebnis an Bedeutung verlieren?
Sebastian Hamann: Nein, ich glaube sogar, dass das Gegenteil passiert. Je mehr Prozesse automatisiert werden, desto wichtiger werden die Momente, in denen Menschen bewusst selbst entscheiden und mit einer Marke interagieren.
Produkte, Preise und Verfügbarkeiten lassen sich immer leichter vergleichen. Das Erlebnis wird dadurch zu einem entscheidenden Differenzierungsmerkmal. Händler müssen Erlebnisse schaffen, die relevant, wiedererkennbar und emotional überzeugend sind. Genau an dieser langfristigen Experience-Vision werde ich arbeiten.
Wie greifen eure beiden neuen Bereiche ineinander?
Stefan Hamann: Vereinfacht gesagt kümmere ich mich darum, dass Shopware für die maschinelle Seite des Handels bereit ist.
Sebastian Hamann: Und ich konzentriere mich auf die menschliche Seite. In der Praxis lässt sich das natürlich nicht vollständig voneinander trennen. Eine gute Commerce-Plattform muss künftig beides können: für Agenten verständlich und zugänglich sein und gleichzeitig außergewöhnliche Erlebnisse für Menschen ermöglichen.
Joachim Weber: Genau darin liegt eine große Chance. Stefan und Sebastian arbeiten an zwei Seiten derselben Entwicklung, während die operative Verantwortung klar gebündelt ist. Diese Kombination macht die neue Struktur aus.
Wer übernimmt künftig die Aufgaben des CFOO?
Joachim Weber: Meine Nachfolge als CFOO übernimmt Katrin Krebs, zuletzt CFO bei der Scalian Germany AG. Sie bringt die passende Erfahrung mit, um unsere Finanz- und Operations-Strukturen weiterzuentwickeln und die nächste Wachstumsphase zu unterstützen.
Inwiefern bedeutet die neue Struktur eine Weichenstellung für Shopware?
Sebastian Hamann: Mit unserer Entscheidung können wir Shopware langfristig am besten führen und weiterentwickeln. Stefan und ich sind weiterhin im Vorstand, halten die Mehrheit der Anteile und übernehmen zentrale Produktverantwortung. Die neue Führungsstruktur bedeutet ein Stück „back to the roots“, da wir uns wieder mehr auf Kernbereiche im Produkt fokussieren.
Stefan Hamann: Eine stärkere operative Führung und ein klarerer Gründerfokus erhöhen die strategische Unabhängigkeit des Unternehmens. Vor allem geben sie uns die Möglichkeit, uns wieder intensiver mit den Themen zu beschäftigen, bei denen wir als Gründer den größten Hebel haben.
Ihr habt Shopware als Teenager gegründet. Fühlt sich dieser Schritt wie eine Rückkehr zu den Anfängen an?
Stefan Hamann: In gewisser Weise schon. Wir waren 15 und 16 Jahre alt und haben angefangen, weil wir Technologie entwickeln wollten. Natürlich ist Shopware heute ein völlig anderes Unternehmen. Aber die Neugier und der Wunsch, den Handel mit neuen Ideen voranzubringen, sind noch dieselben.
Sebastian Hamann: Wir kehren nicht nostalgisch ins Jugendzimmer zurück. Aber wir kehren zu der Arbeit zurück, aus der Shopware entstanden ist: Produkte gestalten, Möglichkeiten erkennen und etwas entwickeln, das einen echten Unterschied macht.
Was soll in einigen Jahren als Ergebnis dieser Veränderung sichtbar sein?
Joachim Weber: Wir wollen in unserer Kategorie, Commerce-Software für anspruchsvolle Händler, weltweit führend werden und dabei unseren Kunden und Partnern verlässlich zur Seite stehen.
Stefan Hamann: Eine Plattform, die den Übergang zum Agentic Commerce nicht nur begleitet, sondern weiterhin aktiv mitgestaltet.
Sebastian Hamann: Und eine Commerce Experience, die trotz aller Automatisierung unverwechselbar menschlich bleibt.




